Schuldenabbau-Plan in Excel: Schneeball- oder Lawinenmethode durchrechnen
So erstellen Sie einen Schuldenabbau-Plan in Excel: alle Schulden erfassen, Monatsbudget festlegen, Schneeball- und Lawinenmethode vergleichen, Zinsen und Laufzeit mit ZZR berechnen – mit durchgerechnetem Beispiel.
Ein Schuldenabbau-Plan in Excel listet alle Schulden mit Restbetrag, Zinssatz und Mindestrate auf, legt einen festen monatlichen Betrag für die Tilgung fest und verteilt jeden Euro über der Summe der Mindestraten nach einer klaren Reihenfolge: entweder zuerst auf die kleinste Schuld (Schneeballmethode) oder zuerst auf die teuerste (Lawinenmethode). Ist eine Schuld getilgt, wandert ihre bisherige Rate auf die nächste. Die Tabelle zeigt Monat für Monat, wie die Salden sinken, wann Sie schuldenfrei sind und wie viel Zinsen Sie insgesamt zahlen.
Der Beitrag gehört zur Rubrik Schulden & Sparen. Geht es um einen einzelnen Kredit und seinen Tilgungsverlauf, hilft der Tilgungsplan in Excel; hier geht es um mehrere Schulden gleichzeitig.
Schritt 1: Alle Schulden erfassen
Legen Sie ein Blatt „Schulden“ mit diesen Spalten an:
- Bezeichnung (Dispo, Kreditkarte, Ratenkredit, Ratenkauf, private Schulden)
- Gläubiger
- Restschuld heute
- Effektiver Jahreszins
- Mindestrate bzw. vereinbarte Monatsrate
- Besonderheiten: Sondertilgung möglich? Gebühren? Laufzeitende einer Null-Prozent-Finanzierung?
Die genauen Angaben stehen in Kontoauszügen, Kreditkartenabrechnungen und Kreditverträgen. Beim Dispositionskredit gibt es meist keine feste Mindestrate; setzen Sie sich selbst einen festen Betrag, sonst bleibt der Dispo dauerhaft stehen.
Schritt 2: Das Monatsbudget für den Schuldenabbau festlegen
Wie viel Sie monatlich für Schulden einplanen können, zeigt Ihr Haushaltsbuch in Excel: Einnahmen minus feste Ausgaben minus realistisches Budget für Lebensmittel und Alltag. Planen Sie nur einen Betrag ein, den Sie jeden Monat sicher aufbringen können, und behalten Sie einen kleinen Notgroschen, damit eine kaputte Waschmaschine nicht gleich wieder auf dem Dispo landet.
Schritt 3: Methode wählen
| Methode | Reihenfolge der Extra-Zahlungen | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Schneeball | Kleinste Restschuld zuerst | Schnelle Erfolgserlebnisse, weniger Gläubiger nach kurzer Zeit | Meist etwas höhere Zinskosten |
| Lawine | Höchster Zinssatz zuerst | Geringste Zinskosten, oft kürzere Gesamtdauer | Erster Erfolg kann länger dauern |
Beispiel: vier Schulden, 720 € pro Monat
| Schuld | Restschuld | Zins p. a. | Mindestrate |
|---|---|---|---|
| Dispokredit | 1.800 € | 11,5 % | 60 € (selbst gesetzt) |
| Kreditkarte (Teilzahlung) | 2.900 € | 17,9 % | 90 € |
| Ratenkredit | 7.400 € | 6,9 % | 220 € |
| Ratenkauf Möbel | 1.200 € | 0 % | 100 € |
| Summe | 13.300 € | 470 € |
Der Haushalt kann 720 € im Monat aufbringen, also 250 € mehr als die Mindestraten. Im ersten Monat fallen Zinsen von 17,25 € (Dispo), 43,26 € (Kreditkarte) und 42,55 € (Ratenkredit) an – zusammen gut 103 €. Die Simulation (Zinsen monatlich auf den Restbetrag, dann Zahlungen) ergibt:
| Variante | Reihenfolge | Schuldenfrei nach | Zinsen gesamt |
|---|---|---|---|
| Nur Mindestraten (470 €) | — | 33 Monaten | 1.897,63 € |
| Schneeball (720 €) | Ratenkauf → Dispo → Kreditkarte → Ratenkredit | 21 Monaten | 1.113,53 € |
| Lawine (720 €) | Kreditkarte → Dispo → Ratenkredit → Ratenkauf | 20 Monaten | 979,70 € |
Die zusätzlichen 250 € pro Monat sparen gegenüber den Mindestraten ein Jahr Laufzeit und rund 784 € (Schneeball) bzw. 918 € (Lawine) Zinsen. Die Lawine ist hier 133,83 € günstiger, weil beim Schneeball zuerst der zinslose Ratenkauf getilgt wird. Beim Schneeball ist dafür die erste Schuld schon nach 4 Monaten erledigt, der Dispo nach 8 und die Kreditkarte nach 13 Monaten; bei der Lawine ist die Kreditkarte nach 10 Monaten weg.
Eine pragmatische Mischform: 0-%-Finanzierungen nur mit der vereinbarten Rate bedienen (sofern sie bis zum Ende zinsfrei bleiben) und die übrigen Schulden nach der Schneeballmethode abbauen.
So bauen Sie die Tabelle in Excel
Blatt „Plan“: ein Monat pro Zeile
Für jede Schuld drei Spalten: Zinsen, Zahlung, Restschuld. Für den Dispo zum Beispiel:
- Zinsen:
=RUNDEN(D4*Schulden!$C$2/12;2)(Vormonatssaldo × Jahreszins / 12) - Restschuld:
=MAX(0;D4+B5-C5)
Mindestraten und Extra-Betrag
- Mindestzahlung je Schuld:
=MIN(Schulden!$D$2;D4+B5)– nie mehr als die Restschuld - Verfügbarer Extra-Betrag im Monat: Budget minus Summe der geleisteten Mindestzahlungen
- Extra-Zahlung an die Schuld mit der höchsten Priorität:
=MIN(Extra;Restschuld_nach_Mindestzahlung); was übrig bleibt, geht an die nächste Schuld
Die Priorität legen Sie im Blatt „Schulden“ in einer Spalte fest (1 = zuerst). So wechseln Sie mit einer Änderung zwischen Schneeball und Lawine.
Laufzeit einer einzelnen Schuld schnell schätzen
Mit =ZZR(17,9%/12;-90;2900) berechnet Excel, dass die Kreditkarte mit 90 € pro Monat rund 44 Monate bräuchte. Mit 340 € (Mindestrate plus 250 € Extra) sind es nach =ZZR(17,9%/12;-340;2900) nur gut 9 Monate.
Fortschritt sichtbar machen
Ein Liniendiagramm der Gesamtschuld über die Monate und eine Zelle „Getilgt in %“ (=1-Restschuld_gesamt/13300) helfen, dranzubleiben.
Worauf Sie achten sollten
- Sondertilgungen bei Ratenkrediten: Bei Verbraucherdarlehen ist eine vorzeitige Rückzahlung grundsätzlich möglich, der Kreditgeber kann aber eine begrenzte Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Prüfen Sie Ihren Vertrag, bevor Sie Extra-Beträge auf den Ratenkredit lenken.
- Null-Prozent-Finanzierungen: Achten Sie darauf, ob nach Ablauf eine Anschlussfinanzierung mit hohem Zins startet.
- Keine neuen Schulden: Der Plan funktioniert nur, wenn Dispo und Kreditkarte nicht parallel wieder wachsen.
- Umschuldung prüfen: Ein günstigerer Ratenkredit kann teuren Dispo oder Kreditkartenschulden ablösen – rechnen Sie Gesamtkosten und Laufzeit vorher durch.
- Hilfe holen: Wenn die Mindestraten das Budget übersteigen, wenden Sie sich frühzeitig an eine anerkannte Schuldnerberatung, zum Beispiel bei Verbraucherzentralen oder Wohlfahrtsverbänden.
Nach dem Schuldenabbau lässt sich die frei werdende Monatsrate direkt in den Sparplan umleiten – die Struktur der Tabelle bleibt dieselbe. Für größere Vorhaben wie eine Hochzeit hilft die Planung mit dem Hochzeitsbudget in Excel, damit gar nicht erst neue Schulden entstehen.
FAQ
Welche Methode ist besser – Schneeball oder Lawine?
Rein rechnerisch spart die Lawine meist Zinsen. Die beste Methode ist aber die, die Sie bis zum Ende durchhalten. Rechnen Sie beide Varianten in Excel durch: Ist der Unterschied klein, kann die Motivation durch schnelle Erfolge beim Schneeball den Ausschlag geben.
Soll ich zuerst sparen oder zuerst Schulden tilgen?
Viele Fachleute empfehlen einen kleinen Notgroschen, bevor Extra-Beträge in die Tilgung fließen, damit unerwartete Ausgaben nicht neue Schulden erzeugen. Bei sehr teuren Schulden wie Dispo- oder Kreditkartenzinsen lohnt sich die Tilgung danach besonders.
Wie oft sollte ich den Plan aktualisieren?
Einmal im Monat: tatsächliche Salden aus den Kontoauszügen eintragen und mit dem Plan vergleichen. Weicht etwas ab, passen Sie Budget oder Reihenfolge an.
Funktioniert die Tabelle in Google Tabellen?
Ja. RUNDEN, MAX, MIN und ZZR (in Google Tabellen je nach Sprache auch NPER) stehen dort ebenfalls zur Verfügung.
Nächster Schritt: Tragen Sie heute alle Schulden mit Restbetrag, Zins und Rate ins Blatt „Schulden“ ein und legen Sie Ihr festes Monatsbudget fest. Weitere Vorlagen in der Rubrik Haushaltsbuch & private Finanzen.