Baukalkulation

Baukalkulation mit Excel: Einheitspreise mit Zuschlagskalkulation berechnen

Baukalkulation in Excel für Handwerks- und Baubetriebe: Einzelkosten der Teilleistungen, Mittellohn, Zuschläge für Baustellengemeinkosten, allgemeine Geschäftskosten sowie Wagnis und Gewinn, Einheitspreise und ein durchgerechnetes Beispiel.

Construction cost estimate illustration with bill of quantities and pricing spreadsheet

Bei der Baukalkulation in Excel berechnen Sie für jede Position des Leistungsverzeichnisses zuerst die Einzelkosten der Teilleistung (Lohn, Material, Geräte, Nachunternehmer) pro Einheit und schlagen dann Baustellengemeinkosten, allgemeine Geschäftskosten sowie Wagnis und Gewinn auf – das Ergebnis ist der Einheitspreis. Menge mal Einheitspreis ergibt den Gesamtpreis der Position, die Summe aller Positionen die Angebotssumme. Eine Excel-Vorlage macht diese Zuschlagskalkulation nachvollziehbar und schnell anpassbar, wenn sich Mittellohn, Materialpreise oder Zuschlagssätze ändern.

Der Beitrag gehört zur Rubrik Baukalkulation. Die Kalkulation ist die Grundlage für Ihr Angebot; dort finden Sie, wie das fertige Angebot aufgebaut wird.

Die Kostenstufen der Baukalkulation

Stufe Inhalt Beispiele
Einzelkosten der Teilleistungen (EKT) Kosten, die einer Position direkt zugeordnet werden Lohnstunden × Mittellohn, Material, Gerätekosten, Nachunternehmerleistungen
Baustellengemeinkosten (BGK) Kosten der Baustelle, die keiner Position direkt zuzuordnen sind Baustelleneinrichtung, Container, Bauleitung vor Ort, Baustrom, Entsorgung
Allgemeine Geschäftskosten (AGK) Kosten des Betriebs insgesamt Büro, Verwaltung, Versicherungen, Fahrzeuge der Geschäftsleitung, Software
Wagnis und Gewinn (W+G) Unternehmerrisiko und Gewinnanspruch Prozentualer Aufschlag

Herstellkosten = EKT + BGK; Selbstkosten = Herstellkosten + AGK; Angebotspreis (netto) = Selbstkosten + Wagnis und Gewinn.

Der Mittellohn

Der Kalkulationslohn (häufig „Mittellohn“) ist der durchschnittliche Stundensatz der eingesetzten Kolonne inklusive Lohnzusatzkosten wie Sozialversicherungsanteile, Urlaub, Feiertage und Ausfallzeiten. Je nach Betrieb werden Zuschläge für Lohnnebenkosten im Mittellohn oder separat erfasst. Wichtig ist nur: Der Betrag pro Stunde muss alle tatsächlichen Personalkosten pro produktiver Stunde abdecken. Ermitteln Sie ihn aus Ihren Lohnunterlagen bzw. mit Ihrer Steuerberatung – die Zahl in unserem Beispiel ist nur eine Annahme.

Aufbau der Excel-Datei

  1. Parameter: Mittellohn (€/h), Zuschlagssätze für BGK, AGK und W+G, Umsatzsteuersatz.
  2. Preise: Materialpreise je Einheit mit Lieferant und Datum, Gerätekostensätze, Nachunternehmerangebote.
  3. Kalkulation (LV): eine Zeile pro Position mit Ordnungszahl, Kurztext, Menge, Einheit, Lohnstunden je Einheit, Material, Gerät, NU, EKT je Einheit, Einheitspreis und Gesamtpreis.
  4. Zusammenstellung: Summe der EKT nach Kostenarten, Zuschläge, Angebotssumme netto, Umsatzsteuer, brutto.

Die Formeln

  • Lohnkosten je Einheit: =E5*Parameter!$B$1 (Stunden je Einheit × Mittellohn)
  • EKT je Einheit: =F5+G5+H5+I5 (Lohn + Material + Gerät + Nachunternehmer)
  • Gesamtzuschlagsfaktor: =(1+Parameter!B2)*(1+Parameter!B3)*(1+Parameter!B4)
  • Einheitspreis: =RUNDEN(J5*Parameter!$B$6;2)
  • Gesamtpreis: =RUNDEN(C5*K5;2) (Menge × Einheitspreis)
  • Angebotssumme netto: =SUMME(L5:L50), Umsatzsteuer: =RUNDEN(L51*Parameter!B5;2)

In der Praxis werden Zuschläge oft nach Kostenart differenziert, zum Beispiel ein höherer Zuschlag auf Lohn und ein niedrigerer auf Nachunternehmerleistungen. Dafür legen Sie je Kostenart einen eigenen Faktor an und berechnen den Einheitspreis als Summe der bezuschlagten Kostenarten.

Beispiel: Rohbau-Teilleistungen eines Anbaus

Annahmen: Mittellohn 60,00 €/h, BGK 10 %, AGK 12 %, Wagnis und Gewinn 6 %. Der Gesamtzuschlagsfaktor beträgt 1,10 × 1,12 × 1,06 ≈ 1,3059.

Pos. Kurztext Menge Lohn €/Einh. Material Gerät NU EKT/Einh. EP GP
01 Mauerwerk KS 17,5 cm (0,85 h/m²) 120 m² 51,00 34,00 2,00 – 87,00 113,62 13.634,40
02 Innenputz Kalkzement (0,30 h/m²) 240 m² 18,00 6,50 0,80 – 25,30 33,04 7.929,60
03 Stahlbetondecke d = 20 cm (Nachunternehmer) 45 m² – – – 95,00 95,00 124,06 5.582,70
Angebotssumme netto 27.146,70
Umsatzsteuer 19 % 5.157,87
Angebotssumme brutto 32.304,57

Zusammenstellung nach Kostenstufen

Stufe Betrag (€)
Einzelkosten der Teilleistungen 20.787,00
+ BGK 10 % 2.078,70
= Herstellkosten 22.865,70
+ AGK 12 % 2.743,88
= Selbstkosten 25.609,58
+ Wagnis und Gewinn 6 % 1.536,58
= Angebotssumme netto (rechnerisch) 27.146,16

Die Differenz von 0,54 € zur Summe der Positionen entsteht durch das Runden der Einheitspreise auf zwei Nachkommastellen – das ist üblich und zeigt, warum die Angebotssumme immer aus Menge × gerundetem Einheitspreis gebildet wird. Alle Preise und Leistungswerte im Beispiel sind Annahmen; verwenden Sie Ihre eigenen Aufwandswerte und aktuelle Lieferantenpreise.

Aufwandswerte: das Herzstück der Kalkulation

Der Lohnanteil hängt am Aufwandswert (Stunden je Einheit). Werte aus Tabellenwerken sind ein Startpunkt; genauer sind eigene Nachkalkulationen. Erfassen Sie dazu auf jeder Baustelle die tatsächlichen Stunden je Leistung, etwa über den Stundenzettel und das Bautagebuch, und vergleichen Sie sie nach Abschluss mit den kalkulierten Werten. Eine einfache Spalte „Ist-Stunden je Einheit“ neben dem Kalkulationswert zeigt, wo Sie zu knapp oder zu großzügig rechnen.

Umsatzsteuer bei Bauleistungen

Ist Ihr Auftraggeber selbst ein Unternehmen, das nachhaltig Bauleistungen erbringt, kann die Steuerschuld nach § 13b UStG auf ihn übergehen; die Rechnung wird dann ohne Umsatzsteuer und mit entsprechendem Hinweis gestellt. Ob die Voraussetzungen vorliegen, sollten Sie im Einzelfall mit Ihrer Steuerberatung klären. Für Privatkunden kalkulieren Sie in der Regel mit 19 % Umsatzsteuer auf die Angebotssumme. Wie die Rechnung aussieht, zeigt die Rechnungsvorlage.

Typische Fehler in der Baukalkulation

  • Mittellohn zu niedrig: Wer nur den Bruttolohn ansetzt, deckt Lohnnebenkosten und unproduktive Zeiten nicht.
  • Baustellengemeinkosten vergessen: Einrichtung, Entsorgung und Fahrzeiten summieren sich schnell.
  • Veraltete Materialpreise: Notieren Sie Datum und Lieferant jedes Preises.
  • Keine Nachkalkulation: Ohne Ist-Werte bleiben falsche Aufwandswerte jahrelang im System.
  • Formeln überschrieben: Schützen Sie die Rechenspalten mit dem Blattschutz.

Ist der Auftrag erteilt, planen Sie Termine im Projektplan bzw. Gantt-Diagramm und behalten Abschlagszahlungen und Lieferantenrechnungen in der Liquiditätsplanung im Blick.

FAQ

Kalkulation mit vorberechneten Zuschlägen oder über die Angebotsendsumme?

Bei vorberechneten Zuschlägen arbeiten Sie mit festen Prozentsätzen aus der Betriebsabrechnung – schnell und für kleinere Betriebe üblich. Bei der Kalkulation über die Angebotsendsumme werden die Baustellengemeinkosten für das konkrete Projekt einzeln ermittelt und anschließend umgelegt – genauer, aber aufwendiger. Die Excel-Struktur aus diesem Beitrag eignet sich für beide Wege.

Wie hoch sollten die Zuschläge sein?

Das hängt von Ihrer Kostenstruktur ab. Ermitteln Sie AGK aus Ihren tatsächlichen Gemeinkosten im Verhältnis zum Umsatz bzw. zu den Herstellkosten, und prüfen Sie die Sätze jährlich anhand Ihrer Gewinn- und Verlustrechnung.

Kann ich die Vorlage für Ausbaugewerke nutzen?

Ja. Für Maler, Fliesenleger, Trockenbauer oder Elektriker ändert sich nur der Inhalt der Positionen und Aufwandswerte, nicht das Prinzip der Zuschlagskalkulation.

Funktioniert die Datei in Google Tabellen?

Ja. RUNDEN, SUMME und Zellbezüge auf ein Parameterblatt funktionieren dort genauso.

Nächster Schritt: Legen Sie das Parameterblatt mit Ihrem Mittellohn und Ihren Zuschlagssätzen an und kalkulieren Sie die nächsten drei Angebote damit. Weitere Vorlagen unter Vorlagen nach Branche.